Dieses Buch hätte ich selbst gerne geschrieben. Andererseits haben Gesine Engelage-Meyer und Sonja Hanau ein so gutes Werk abgeliefert, dass ich mich neidlos darüber freuen kann und es direkt auf die Literaturliste meiner Kundinnen und Kunden setze.

„Mit hybriden Teams mehr erreichen – Werkzeuge, Methoden und Praktiken für gelungene Zusammenarbeit auf Distanz“ gibt Orientierung und ist das richtige Buch zur aktuellen Zeit, in der in vielen Unternehmen darüber verhandelt wird, wie eine Zusammenarbeit nach Lockdowns und Homeofficepflicht funktionieren kann. Eines ist klar: Genauso wie früher wird es nicht mehr werden.

Die Autorinnen arbeiten sehr gut heraus, welche Vorteile hybride Teams haben und dass es dabei um mehr geht als nur um hybride Meetings. Das Modell, das sie vorschlagen,  ist einfach, nachvollziehbar und praktikabel. Dazu tragen auch die guten Illustrationen bei.

Neben sechs Modulen für die Team-Zentrale hybrider Teams (Warum, Werkzeuge, Strukturen, Methoden, Rituale und Kultur) schlagen sie sechs Praktiken für das tägliche Gestalten vor (Fokussieren, Partizipieren, Visualisieren, Digitalisieren, Zentralisieren und Reflektieren), um dann auf die Besonderheit hybrider Meetings einzugehen und Gedanken zum Change zu teilen. Das ist der einzige Abschnitt, den ich anders geschrieben hätte. Ansonsten finde ich in diesem Buch viele Ansätze, Modelle und Praktiken wieder, die auch ich in der Arbeit mit meinen Kunden und Kundinnen erfolgreich einsetze. Eine klare Empfehlung.

Mit hybriden Teams mehr erreichen
Werkzeuge, Methoden und Praktiken für gelungene Zusammenarbeit auf Distanz

von Gesine Engelage-Meyer und Sonja Hanau

Paperback, 264 Seiten, erschienen 2022 bei Business Village

https://amzn.to/3w1y8Sg

Amazon ist immer eine gute Quelle für Denkanstöße, gerade wenn es um Innovation geht. Das folgende Zitat von Dave Limp (Senior Vicepresident Devices bei Amazon) finde ich bemerkenswert:

“The best way to fail at inventing something, is to make it someone’s part time job.”

Dave Limp (Senior Vicepresident Devices bei Amazon)

Wenn du mit einem Innovationsvorhaben scheitern möchtest, dann mach es zu jemandes Teilzeitaufgabe! In vielen deutschen Unternehmen, ist aber leider gerade das die Regel.

Manager oder Teams, die schon eine hohe Arbeitslast haben – oft die sogenannten Highperformer – bekommen wichtige Innovationsvorhaben als Zusatzaufgaben. In crossfunktionalen Teams (Arbeitsgruppen) sitzen dann Personen, die mit 50, 30, 20 oder nur 10 Prozent ihrer Arbeitszeit ein wichtiges Innovationsvorhaben umsetzen sollen.

Wenn man intensiver darüber nachdenkt, dann erscheint es schon als ein Wunder, wenn bei solchen Settings manchmal wirklich etwas herauskommt. Aber selbst dann dauert das in der Regel viel zu lange. Und gerade bei Innovation ist Geschwindigkeit ein wichtiger Erfolgsfaktor in hochdynamischen Märkten. Viel zu oft kommt aber über lange Zeit wenig Verwertbares heraus.

Und das überrascht auch nicht: Die Mitglieder solcher Arbeitsgruppen sind in einem ständigen Interessens- und Loyalitätskonflikt – zwischen ihrer Kernaufgabe und dem Innovationsprojekt. Oft gewinnen die Kernaufgaben in diesem Konflikt schließlich ist das auch der Bereich, in dem an die direkte Führungskraft berichtet wird. Matrixorganisationen, mit horizontalen und vertikalen Berichtslinien verändern an diesem Grundkonflikt gar nichts. Sie erheben den Konflikt sogar noch zum Organisationsprinzip.

Wenn ein Innovationsvorhaben wirklich wichtig ist, dann sind diese Teilzeitprojekte der falsche Ansatz. Amazon hat das in seiner Geschichte selbst leidvoll erfahren müssen. Als Konsequenz hat man bei Amazon sogenannte Single Threaded Teams eingeführt. Das sind Teams, die genau nur eine einzige Aufgabe haben. Alle Teammitglieder sind mit 100 % ihrer Arbeitszeit involviert. Gleichzeitig haben diese Teams einen möglichst hohen Grad an Autonomie. Abhängigkeiten von anderen Organisationseinheiten sollen weitestgehend eliminiert werden – um den Aufwand für Koordination und Abstimmung zu minimieren.

Zum Nachdenken:

Wie werden wichtige Innovationsvorhaben in deinem Unternehmen aufgesetzt? Stehen Teilzeitprojekte auf der Tagesordnung? Und haben die eine zufriedenstellende Performance? Schreib mir oder in den Kommentar

Ernst Weichselbaum ist ein Vordenker morderner Organisationsansätze. Schon seit den 1960er-Jahren entwickelte und erprobte er neue Formen der Organisation. In diesem inspirierenden Buch zeigt er, wie der Umstieg von der Mengen- hin zur Zeitorientierung, von der Schnittstellen- hin zur Nahtstellenorganisation, von hierarchischer Steuerung hin zur Selbststeuerung funktioniert.

  • Medium: Buch / E-Book
  • Umfang: 148 Seiten
  • Sprache: deutsch
  • Kosten: € 14,90 / € 11,90 (28.5.2021)
  • https://amzn.to/3fPBsqx